Die heutige zweite Tarifverhandlungsrunde für die Metall- und Elektro-Industrie findet unter erheblichem Druck statt.
In Nordrhein-Westfalen liegt die Produktion der M+E-Industrie 27 Prozent unter dem Vorkrisenniveau von 2019. Seitdem sind rund 90.000 Arbeitsplätze verloren gegangen. Aktuell sinkt die Beschäftigung um etwa 2.500 Stellen pro Monat.
Hinter diesen nur scheinbar abstrakten Konjunkturdaten stehen Betriebe, die Investitionen verschieben, Kapazitäten verlagern und genau prüfen, ob sich Produktion in Deutschland noch rechnet. Hohe Arbeits- und Energiekosten, Steuern und Bürokratie verschärfen den Druck. Wenn industrielle Wertschöpfung abwandert, trifft das auch Zulieferer, Dienstleister und ganze Regionen.
Verbesserte Wachstumsprognosen ändern daran wenig.
Staatliche Ausgaben können die Statistik stützen. Sie garantieren nicht, dass zusätzliche Aufträge in NRW gefertigt werden. Entscheidend ist, ob Unternehmen hier investieren und Beschäftigung sichern können.
Auch die Tarifpolitik trägt Verantwortung. Sie kann nicht alle Standortprobleme lösen. Sie kann aber vermeiden, den Kostendruck weiter zu erhöhen. In einer Lage, in der viele Unternehmen um ihre Zukunft kämpfen, braucht es eine Lösung mit Augenmaß. Die Forderung der IG Metall trifft auf eine industrielle Basis, deren Wettbewerbsfähigkeit bereits unter Druck steht.
Für die Unternehmen in Nordrhein-Westfalen – und das gilt gleichermaßen hier im Raum Aachen – geht es um mehr als einen Tarifabschluss. Es geht darum, ob Produktion und Arbeitsplätze im Land eine Perspektive haben. Die Tarifparteien sollten die wirtschaftliche Lage ernst nehmen, auf unnötige Eskalation verzichten und eine tragfähige Lösung finden.
Verantwortungsvolle Tarifpolitik stärkt Beschäftigung und industrielle Wertschöpfung.
