Das Frühjahrsgutachten 2026 des Sachverständigenrats macht sehr deutlich, worüber wir mit unseren Mitgliedsunternehmen seit Jahren immer wieder sprechen: Die deutsche Wirtschaft und ihre strukturelle Schwächephase. Für 2026 erwartet der Rat nur noch 0,5 Prozent Wachstum, für 2027 0,8 Prozent. Gleichzeitig bleiben Energiepreise, geopolitische Unsicherheit, schwache Exporte, hoher Wettbewerbsdruck und eine weiter belastete Industrie zentrale Risiken.
Aus Arbeitgebersicht ist besonders entscheidend, was der Rat zu den Sozialversicherungen schreibt. Der Gesamtbeitragssatz liegt 2026 bereits bei 42,3 Prozent und könnte bis 2040 auf 49,7 Prozent steigen. Das bedeutet: Arbeit wird (NOCH!) teurer, das Netto vom Brutto wird kleiner, Investitionen werden schwieriger und Beschäftigung gerät weiter unter Druck. Genau hier entscheidet sich Standortpolitik.
Wer Wachstum will, muss die Kosten der Arbeit ganz genau im Blick haben. Wir brauchen Reformen, die den Ausgabenanstieg in Rente, Kranken- und Pflegeversicherung bremsen, Erwerbsarbeit attraktiver machen und längere Erwerbsphasen ermöglichen. Ebenso wichtig sind Produktivität, Investitionen, weniger Bürokratie und eine klare Trennung zwischen Versicherungsleistungen und gesamtgesellschaftlichen Aufgaben. Letztere gehören transparent aus Steuermitteln finanziert, statt sie weiter über Beiträge auf Arbeit zu legen.
Auch für die Unternehmen in der Region Aachen heißt das: Betriebe sind bereit, zu investieren, auszubilden und Arbeitsplätze zu sichern. Aber sie brauchen verlässliche Rahmenbedingungen, wettbewerbsfähige Kosten und eine Politik, die Reformen nicht weiter vertagt.
Deutschland weiß, wo es steht. Wir wissen, wo wir stehen. Die Zahlen liegen auf dem Tisch.
Jetzt braucht es den Mut, daraus wirtschaftspolitische Konsequenzen zu ziehen.
