Ja – wenn wir darunter das Richtige verstehen.
Die aktuellen Exportzahlen zeigen, dass deutsche Unternehmen auf die unterschiedlichen und meist gravierenden weltwirtschaftlichen Krisen und Verschiebungen reagieren. Positiv zu bewerten ist, dass im Juni 2026 die Ausfuhren insgesamt wieder ein vergleichsweise starkes Niveau erreichten. Gleichzeitig verschieben sich aber die Gewichte: Die Exporte in die USA gingen gegenüber dem Vormonat deutlich zurück, auch China verliert an Bedeutung. Zuwächse gab es dagegen innerhalb der EU und im Vereinigten Königreich.
Auch bei Investitionen wird die Veränderung sichtbar: Deutsche Unternehmen investierten im ersten Halbjahr 2026 nur noch rund 4,3 Milliarden Euro in den USA – das sind immerhin satte 65 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.
Was für uns als Arbeitgeberverband und für die Unternehmen in unsere Region wichtig ist: De-Risking darf kein Synonym für Rückzug werden.
Eine exportorientierte Volkswirtschaft wie Deutschland braucht internationale Märkte. Sie braucht zugleich weniger einseitige Abhängigkeiten, belastbare Lieferketten und mehr wirtschaftspolitische Handlungsfähigkeit.
Genau deshalb führt der Blick zurück nach Europa. Ein stärkerer Binnenmarkt, verlässliche Rahmenbedingungen, gemeinsame Infrastruktur, Energiepolitik und Verteidigungsfähigkeit können Europa zu einem attraktiveren Wirtschaftsraum machen. Wir haben genau jetzt die Chance die europäische Integration deutlich zu stärken.
Bedeutet auf den Punkt gebracht: Risiken breiter verteilen: ja. Märkte abschreiben: nein.
Deutschlands wirtschaftliche Stärke entstand durch Offenheit, Handel und internationale Vernetzung. Die Aufgabe für die kommenden Jahre lautet deshalb: neue Märkte erschließen, bestehende Partnerschaften pflegen und Europa wirtschaftlich endlich so stark machen, wie es angesichts der geopolitischen Lage sein müsste. Vorsichtig sein und vorausschauend, aber nicht risikoscheu oder gar protektionistisch.
