Rente, Altersteilzeit, längere Lebensarbeitszeit: Ja, das sind wichtige Themen.
Mindestens genauso entscheidend ist die Frage, wie junge Menschen heute überhaupt in den Arbeitsmarkt kommen.
In NRW waren einen Monat vor Beginn des Ausbildungsjahres noch rund 34.200 Ausbildungsplätze unbesetzt. Gleichzeitig lag die Jugendarbeitslosigkeit im März 2026 mit 69.430 Betroffenen um 2,2 Prozent über dem Vorjahreswert. Im Mai hatten fast 80 Prozent der arbeitslosen Unter-25-Jährigen keine abgeschlossene Berufsausbildung.
Es fehlt nicht nur an Stellen. Es fehlt an Passung, Orientierung und funktionierenden Übergängen.
Auch für junge Akademikerinnen und Akademiker ist der Berufseinstieg schwieriger geworden. Der Anteil ausgeschriebener Einstiegspositionen lag 2025 laut Stepstone 42 Prozent unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Wer heute sein Studium beendet, trifft häufig auf hohe Anforderungen, wenige Juniorstellen und Arbeitgeber, die Berufserfahrung voraussetzen, wo noch gar keine entstehen konnte.
Und es sind nicht nur die Anforderungen, die auch nicht geringer werden können. Es werden Jahr für Jahr nun auch weniger erfahrene und geduldige Ausbilder vorhanden sein. Und dies trifft alle Berufe.
Genau hier liegt eine unserer wichtigsten Zukunftsaufgaben.
Folgende Fragen müssen wir beantworten:
Wie gestalten wir den Übergang von der Schule in Ausbildung, Studium und Beruf besser?
Wie bereiten wir junge Menschen auf einen Arbeitsmarkt vor, der sich durch Digitalisierung, KI und Transformation rasant verändert?
Wie verhindern wir, dass sie viel Zeit und Energie in Qualifikationen investieren, deren Perspektiven schon wenige Jahre später schwinden?
Eine verlässliche Liste „sicherer Berufe“ wird es nicht geben. Umso wichtiger sind eine frühe, praxisnahe Berufsorientierung, mehr Begegnungen mit Betrieben und gute Praktika. Junge Menschen brauchen tragfähige Grundlagen, digitale Kompetenzen sowie die Fähigkeit, weiterzulernen und Veränderungen aktiv mitzugestalten.
Und da die fähigen Ausbildungspersonen auch in Rente gehen und wir diese gar nicht hinreichend ersetzen können, werden wir wohl darüber nachdenken müssen, ob nicht Auszubildende ihre KI-Ausbilder bekommen, also KI, welche personenspezifisch auf die jungen Menschen eingeht und sie auf diese Art und Weise sehr wirksam begleitet.
So bleibt nur die Frage, ob das allen gefallen wird? Wohl nein! In ruhigen Zeiten könnten man auf solche Befindlichkeiten Rücksicht nehmen. Aber wir haben keine ruhigen Zeiten.
Auch wir Arbeitgeber sind gefordert. Wir müssen neue Technologien einsetzen, entsprechende Potenziale stärker gewichten, Einstiegshürden überprüfen und jungen Menschen die Chance geben, Erfahrung überhaupt erst zu sammeln. Schulen, Hochschulen, Politik, Arbeitsverwaltung und Wirtschaft tragen hier gemeinsam Verantwortung.
