In dieser Woche wird Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche die neue Herbstprojektion der Bundesregierung vorstellen. Die Zahlen dürften deutlich freundlicher ausfallen als noch im Frühjahr erwartet.
Für 2026 werden inzwischen 1,3 Prozent Wachstum prognostiziert, für 2027 weitere 1,1 Prozent. Besonders bemerkenswert aus Sicht der Industrie: Die deutschen Exporte könnten in diesem Jahr um 3,7 Prozent zulegen. Aber sicher ist das nicht.
Das ist eigentlich eine gute Nachricht. Gerade für eine exportorientierte Volkswirtschaft wie Deutschland zeigt sie, dass unsere Unternehmen auf internationalen Märkten weiterhin gefragt sind. Aber die internationalen Wettbewerber werden ständig stärker und unsere Wettbewerbsfähigkeit sinkt oder stagniert in vielen Branchen.
Für Entwarnung ist es daher leider viel zu früh.
Ein erheblicher Teil des aktuellen Wachstums wird durch staatliche Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung getragen. Gleichzeitig bleiben Energiepreise, Bürokratie, Arbeitskosten und langwierige Genehmigungsverfahren für viele Unternehmen eine Belastung.
Wer dauerhaft mehr exportieren will, muss international wettbewerbsfähig produzieren können. Genau hier entscheidet sich, ob aus einer besseren Konjunkturprognose wieder ein nachhaltiger Aufschwung wird.
Die neuen Zahlen geben Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Jetzt braucht es politische Reformen, die diesen Rückenwind verstärken: niedrigere Standortkosten, schnellere Verfahren und Bedingungen, unter denen Unternehmen wieder mehr investieren können. Und maßvolle Tarifabschlüsse, die schwierige Realität in vielen Branchen klug aufgreifen und die helfen, die Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu stärken.
Denn am Ende zählt für unseren Standort vor allem eines: dass deutsche Unternehmen ihre Produkte auch morgen noch erfolgreich auf den Weltmärkten verkaufen können.