Mehr Insolvenzen und weniger Selbständigkeit

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Die aktuelle wirtschaftliche Lage in Deutschland bleibt ernst. Darüber täuschen (und glitzern) auch geschmückte und aktuell recht belebte Innenstädte nur marginal hinweg.

Die aktuelle wirtschaftliche Lage in Deutschland bleibt ernst. Darüber täuschen (und glitzern) auch geschmückte und aktuell recht belebte Innenstädte nur marginal hinweg.

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen gehört 2025 zu den höchsten seit über einem Jahrzehnt. Laut Statistik beantragten allein in den ersten neun Monaten rund 18.000 Unternehmen Insolvenz, ein Rekordwert seit 2014. Besonders betroffen sind Sektoren wie Verkehr, Gastgewerbe und Bau, was die strukturellen Schwächen der Binnenwirtschaft offenlegt.

Parallel spüren Selbständige und Kleinstunternehmen starken Gegenwind. Das ifo-Geschäftsklima für Selbständige befindet sich nach wie vor auf einem niedrigen Niveau. Viele Solo-Selbständige planen für 2026 niedrigere Investitionen und kämpfen mit Nachfragedruck, was ihre Existenzperspektive zusätzlich belastet. 

Diese Entwicklung ist mehr als eine konjunkturelle Delle:

Mehr Insolvenzen und weniger Selbständigkeit wirken wie eine gefährliche Spirale. Wenn Unternehmen aufgeben und Gründer aus Angst vor Risiken zurückschrecken, schrumpft nicht nur die ökonomische Substanz, sondern vor allem die Innovationskraft unserer Wirtschaft. Regionen verlieren Arbeitsplätze, Fachkräfte wandern ab, und der gesellschaftliche Zusammenhalt wird unter Druck gesetzt.

Die Ursachen sind vielschichtig: hohe Kostenbelastungen, volatile Nachfrage, regulatorische Unsicherheiten und eine gedämpfte Investitionsbereitschaft wirken zusammen. Einzelne Branchen wie das Gastgewerbe oder die Logistik stehen exemplarisch für ein Umfeld, in dem operative Belastungen die wirtschaftliche Grundlage vieler Betriebe aushöhlen.  

Für uns als soziale Marktwirtschaft mit starker Sozialpartnerschaft bedeutet das konkret: Wir brauchen realistische Rahmenbedingungen, die Unternehmen planbar und verlässlich handeln lassen. Dazu zählen eine bessere Kosten- und Regulierungsstruktur, praxisorientierte Fachkräftesicherung und verlässliche Investitionsanreize – flankiert durch eine Sozialpartnerschaft, die nicht nur Interessen verwaltet, sondern gemeinsam tragfähige Lösungen erarbeitet.

Zudem dürfen wir die Bedeutung von Selbständigkeit und Unternehmertum nicht unterschätzen: Sie sind Motor für Innovation, Beschäftigung und regionale Entwicklung. Eine Politik, die Existenzgründer entlastet, Liquiditätsrisiken reduziert und Vertrauen in die Zukunft schafft, ist kein Nice-to-have, sondern eine Grundvoraussetzung für nachhaltiges Wachstum.

Der wirkliche Transformationsdruck für 2026 liegt darin, aus diesen Herausforderungen konkrete, umsetzbare Maßnahmen zu machen. Das umfasst nicht nur wirtschaftspolitische Weichenstellungen, sondern auch die Bereitschaft aller Beteiligten, im Geist der Sozialpartnerschaft echte Verbesserungen zu etablieren.

Wenn wir Wettbewerbsfähigkeit stärken, Rahmenbedingungen stabilisieren und Unternehmertum fördern, kann Deutschland wieder an Dynamik gewinnen zum Vorteil von Betrieben, Beschäftigten und der gesamten Gesellschaft. 

Geben wir dem Jahr 2026 nicht den Titel eines Transformationsjahres, sondern machen wir es zu einem!

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