Wegen Personalmangel geschlossen – nicht unwahrscheinlich, dass wir selbst schon auf so ein Schild im Gastronomiebereich gestoßen sind.
Die Diskussion um die Abschaffung der Minijobs zeigt einmal mehr: Wir schrauben im Kleinen, während die großen Strukturfragen des Arbeitsmarktes liegen bleiben.
Minijobs sind kein Allheilmittel. Aber sie sind für viele Betriebe ein wichtiges Instrument, um Arbeit flexibel zu organisieren: bei Auftragsspitzen, in Randzeiten, am Wochenende, in Saisonphasen oder dort, wo wenige Stunden pro Woche gebraucht werden. Genau diese Flexibilität würde dem System genommen.
Besonders hart träfe das Branchen, die ohnehin massiv um Personal kämpfen: Gastronomie, Handel, Pflege, Reinigung, Logistik, Veranstaltungen, Handwerk und viele Dienstleistungsbereiche. Dort entstehen Aufgaben nicht immer in 40-Stunden-Verträgen, sondern kurzfristig und saisonal. Wenn wir diese Beschäftigungsform pauschal streichen oder verteuern, schaffen wir eben nicht automatisch mehr sozialversicherungspflichtige Arbeit. Wir riskieren kürzere Öffnungszeiten, weniger Angebote, mehr Druck auf Stammpersonal und im schlimmsten Fall mehr das, was Minijobs in der aktuellen Form verhindern sollten: Schwarzarbeit.
In Deutschland gab es im 1. Quartal 2026 rund 6,55 Millionen gewerbliche Minijobberinnen und Minijobber. Das ist gelebte Arbeitsmarktrealität – auch wenn es für viele gerade der weiblichen Minijobberinnen, die die Arbeitsform wählen, weil Betreuungszeiten fehlen oder Steuermodelle dies induzieren, selbstverständlich neue Anreize und andere Modelle geben muss!
Der Arbeitsmarkt braucht mehr Erwerbsanreize, weniger Bürokratie, bessere Übergänge in reguläre Beschäftigung und echte Entlastung für Betriebe. Eine pauschale Abschaffung der Minijobs löst diese Aufgaben nicht. Sie verengt den Handlungsspielraum genau dort, wo Unternehmen und Beschäftigte ihn dringend brauchen.
Flexibilität ist kein Problem des Arbeitsmarktes.
Sie ist Teil der Lösung.
Weitere Informationen: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/arbeitsmarkt/minijobs-deutschland-wegfall-100.html