Geopolitische Krisen - wie die Iran-Krise – treiben die Preise, extrem schnell, extrem hoch und ggf. sehr lang. Aber ebenso klar ist: Zu wenige große Konzerne prägen den Markt, beobachten sich gegenseitig in Echtzeit und die Preise gerade für Diesel und Benzin steigen oft sehr schnell, sinken aber nur verzögert.
Die aktuelle Situation wirft Fragen zur tatsächlichen Wettbewerbsintensität auf.
Die üblichen politischen Reaktionen wirken dagegen teilweise wie Aktionismus, insbesondere weil sie von den hohen Steuerbelastungen ablenken sollen, welche die Treibstoffpreise ebenfalls prägen.
Einmal tägliche Preiserhöhungen, verschärftes Kartellrecht, Diskussionen über Übergewinnsteuern. Selbst Experten zweifeln, ob das kurzfristig überhaupt preisdämpfend wirkt. Und eben auch die steuerlichen Anteile an den“Spritkosten“ sollte man – als Verbraucher und als Unternehmen - nicht aus den Augen verlieren.
Mal ehrlich: wie viel € bzw. Cent gehen pro Liter an „Vater Staat“? Wissen Sie es wirklich? Wenn nein, Sie werden erstaunt sein, wenn Sie recherchieren! Und beantworten Sie sich dann direkt auch die präzise Frage: Wer macht pro Liter Benzin mehr Gewinn: die Raffinerien oder der Staat?
Aus unserer Sicht als Arbeitgebervertreter ist klar: Marktwirtschaft lebt vom Wettbewerb - nicht von Markteingriffen und schon gar nicht von regulatorischen Schnellschüssen.
Das Land braucht jedenfalls dringender „mehr Haushaltsdisziplin“ als aktionistische Markteingriffe, denn ein überbordender Staatshaushalt kostet jeden Bürger dauerhaft viel mehr Euro, als zeitweilig hohe Benzinpreise.
Kurzfristig brauchen wir Transparenz bei Preisen und Margen, damit Verbraucher und Unternehmen Vertrauen zurückgewinnen. Ich fände es prima, wenn an jeder Tankstelle auch sehr sichtbar die Steuern jeweils konkret ausgewiesen würden, die pro Liter anfallen.
Nicht in % sondern in konkreten €. Tagesgenau!
Langfristig müssen wir abzielen auf eine Reduktion der Abhängigkeit von ausländischen fossilen Rohstoffen, sowohl durch alternative Energien, ggf. eigene Produktion und noch resilientere Lieferketten.
Zu hohe Energiepreise treffen nicht nur Pendler. Sie treffen auch die gesamte Wirtschaft, insbesondere die Logistik und die Industrie.Wenn wir Entlastung wollen, brauchen wir keine Symbolpolitik. Wir brauchen echte Kostensenkungsmaßnahmen, nicht nur bei den Benzinpreisen, sondern bei allen Energiepreisen. Niedrige Preise brauchen die Bürger und auch die Firmen.
Gute Lösungen lassen sich gerade in einer Krise natürlich nicht einfach „anstoßen“.
Die Preismechanismen des Ölmarktes sind hochkomplex, global verflochten und reagieren auf geopolitische, infrastrukturelle und spekulative Faktoren. Wer hier kurzfristige Effekte auf populäre politische Maßnahmen erwartet, wird enttäuscht werden.