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Tarifrunde #Chemie22: Investieren statt verteilen

Die anstehende Chemie-Tarifrunde ist eine besondere: Nach dem Langfrist-Abschluss vom November 2019 ist es die erste in der Pandemie und es ist die erste in einem Jahrzehnt, das von einem massiven Strukturwandel geprägt sein wird. Klimaneutrale Produktion, Digitalisierung und Demografie, aber auch EU-Chemikalienpolitik und Kreislaufwirtschaft werden unsere Branche tiefgreifend verändern.

Der Euro lässt sich nur einmal ausgeben

Umso weniger ist nachvollziehbar, dass die IGBCE den Unternehmen für diesen Marathon zusätzliche Steine in den Rucksack legen will. Ein nicht näher beziffertes Entgeltplus „oberhalb der Teuerungsrate“ soll es sein, außerdem höhere Schichtzuschläge, mehr Ausbildungsplätze und zusätzliche Regeln für mobiles Arbeiten. „Damit der Umbruch der Industrie gelingt, brauchen wir umfangreiche Investitionen, keine umfangreichen Forderungspakete“, stellte BAVC-Hauptgeschäftsführer Klaus-Peter Stiller klar. „Die IGBCE kann nicht einerseits Milliarden-Investitionen der Unternehmen einfordern und ihnen andererseits tief in die Tasche greifen. Der Euro lässt sich nur einmal ausgeben.“

Auch die aktuelle Preisentwicklung ist als Begründung für Entgeltsteigerungen nicht geeignet. Diese ist zum einen Folge der geänderten Mehrwertsteuer sowie kurzfristiger Lieferengpässe. Ein anderer Teil geht auf bewusste politische Entscheidungen zur Verteuerung fossiler Brennstoffe zurück. „Es ist aber nicht Aufgabe der Lohnpolitik, diese Maßnahmen aufzufangen, zumal sie auch die Unternehmen selbst treffen“, so Stiller. „Die langfristige Entwicklung zeigt: Seit 2010 sind die Preise um 16 Prozent gestiegen, die Tarifentgelte aber um fast 30 Prozent. ‚Nachholbedarf‘ gibt es in unserer Branche definitiv nicht.“

Chemie-Produktion nicht höher als 2018

Trotz der konjunkturellen Erholung der vergangenen Monate liegt die Chemie-Produktion zudem weiterhin nicht höher als 2018. Stiller: „Die Kostenklemme innerhalb der Branche nimmt zu. Steigende Verkaufspreise und Umsätze für die einen sind höhere Kosten für Vorprodukte bei anderen. Ein Teil der Unternehmen erwartet sinkende Umsätze oder Erträge. Auch für diese Unternehmen muss der Flächentarif bezahlbar sein.“

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