Nach der Globalisierung ist vor der Globalisierung?

  • VUV

Deutschland hat über Jahrzehnte stark von offenen Märkten, günstiger Energie und einer international wettbewerbsfähigen Industrie profitiert. Dieses Modell trägt heute deutlich weniger. Handelsregeln werden zunehmend in Washington und Peking geprägt. Gleichzeitig verlagern Unternehmen Wertschöpfung dorthin, wo Energie, Fachkräfte und wirtschaftliche Rahmenbedingungen günstiger sind.

 

Deutschland hat über Jahrzehnte stark von offenen Märkten, günstiger Energie und einer international wettbewerbsfähigen Industrie profitiert. Dieses Modell trägt heute deutlich weniger. Handelsregeln werden zunehmend in Washington und Peking geprägt. Gleichzeitig verlagern Unternehmen Wertschöpfung dorthin, wo Energie, Fachkräfte und wirtschaftliche Rahmenbedingungen günstiger sind.

Die Folgen …

  • Seit Ende 2019 stagniert die deutsche Wirtschaftsleistung. 

  • Die Zahl der Arbeitslosen liegt wieder über drei Millionen.

  • Insolvenzen nehmen zu. 

  • Der industrielle Anteil an der Wertschöpfung sinkt. 

  • Das Trendwachstum, das früher bei rund 1,5 Prozent lag, bewegt sich inzwischen nahe null.

Deutschland steht vor einem strukturellen Standortproblem.

 

Auch für die Wirtschaft in der Region Aachen ist diese Entwicklung besonders relevant. Unsere Wirtschaft ist stark industriell geprägt und international eng verflochten. Hohe Energiepreise, Bürokratie und lange Genehmigungsverfahren, Fachkräftemangel und eine kaum noch zu beherrschende kontinuierliche Neu-Regulierung treffen, bremsen und bedrohen viele Betriebe unmittelbar.

Aber diese Entwicklung ist nicht unumkehrbar. Deutschland kann wieder wettbewerbsfähiger werden. 

Dafür braucht es eine konsequente Erneuerung des Standorts: niedrigere Belastungen, schnellere Verfahren, verlässliche Energieversorgung, mehr Investitionen und eine Politik, die wirtschaftliches Wachstum wieder als Voraussetzung für Beschäftigung und Wohlstand begreift.

Einzelne erfolgreiche Großunternehmen dürfen dabei nicht über die strukturelle Schwäche hinwegtäuschen. Entscheidend ist, ob industrielle Wertschöpfung in der Breite erhalten bleibt und neue Investitionen wieder in Deutschland stattfinden.

Die nächste Phase der Globalisierung wird härter und strategischer. Umso wichtiger ist es, dass Deutschland seine eigenen Standortbedingungen endlich wieder selbstbewusst gestaltet.

Zum Hintergrund: https://www.handelsblatt.com/meinung/wirtschaftsforum/der-chefoekonom-am-ende-eines-globalisierungsschubs/100241536.html