Zeitenwende ohne neue Partner?

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Schützen wir uns oder schotten wir uns ab?

 

Eine aktuelle Analyse des Institut der deutschen Wirtschaft zeigt: Trotz „Zeitenwende“ hat Deutschland seine Handelspartner kaum spürbar diversifiziert.

Schützen wir uns oder schotten wir uns ab?

Eine aktuelle Analyse des Institut der deutschen Wirtschaft zeigt: Trotz „Zeitenwende“ hat Deutschland seine Handelspartner kaum spürbar diversifiziert. Unsere Export- und Importstrukturen sind weiterhin stark auf bestehende Märkte konzentriert. Das schafft Abhängigkeiten und macht uns verwundbar.

Die Debatte um De-Risking, Resilienz und strategische Autonomie ist richtig. Aber sie greift zu kurz, wenn wir sie nur oder vor allem europäisch denken.

Zeitenwende ohne neue Partner? Reicht uns das wirklich? Und kann das überhaupt funktionieren?

Die EU ist ein starkes Fundament. Der Binnenmarkt ist und bleibt ein Stabilitätsanker. Aber die Weltwirtschaft endet nicht an den Außengrenzen Europas. Wenn wir ernsthaft resilienter werden wollen, müssen wir globaler denken und das nicht nur politisch, sondern wirtschaftlich.

Erste Ansätze sind erkennbar: neue Handelsabkommen, intensivere Gespräche mit Partnern im Indopazifik, in Lateinamerika oder Afrika. Das begrüßen wir auch seitens der regional agierenden, aber schon rein geografisch international denkenden @VUV Aachen ausdrücklich. Aber das reicht nicht. Wir brauchen mehr Tempo und mehr Mut.

Handel ist per Definition international. Für unsere Unternehmen - gerade für den industriell geprägten Mittelstand - sind stabile, verlässliche Lieferketten existenziell. Wer Abhängigkeiten reduzieren will, darf nicht nur Risiken vermeiden, sondern muss Alternativen aktiv aufbauen.

Dabei gilt:
So wenig Bürokratie wie nötig.
So viel Schutz wie sinnvoll.

Ja, wir müssen Sicherheitsinteressen wahren und strategische Schlüsseltechnologien schützen. Aber dieser Schutz darf nicht in verkappten Protektionismus umschlagen. Abschottung schafft keine Resilienz, sondern Wohlstandsverluste.

Unsere Unternehmen sind innovationsstark, exportorientiert und international vernetzt. Sie brauchen politische Rahmenbedingungen, die Diversifizierung ermöglichen und bestimmt keine zusätzlichen Hürden, die sie ausbremsen.

Wenn wir wettbewerbsfähig bleiben wollen, müssen wir global präsent sein. Die EU ist schön. Aber die Welt ist größer.

Zum Hintergrund: 

https://www.iwkoeln.de/presse/iw-nachrichten/simon-gerards-iglesias-trotz-zeitenwende-kaum-neue-handelspartner.html
https://www.iwd.de/artikel/freihandelsabkommen-mit-indien-die-mutter-aller-deals-672136/

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