Unser Verständnis von Arbeit stammt aus einer Zeit, da war China noch ein Entwicklungsland!
Der Tag der Arbeit erinnert historisch an den Kampf für faire Arbeitsbedingungen, geregelte Arbeitszeiten, Sicherheit am Arbeitsplatz und soziale Teilhabe. Was heute oft selbstverständlich wirkt, wurde über Generationen hinweg erstritten und politisch gestaltet.
Arbeit im Jahr 2026 ist eine andere als zur Zeit der Industrialisierung. Vielleicht genau deshalb ist der 1. Mai ein Tag mit hoher aktueller Relevanz.
Was ist Arbeit heute? Und was wir die Arbeit der Zukunft sein? Und wie muss das Arbeitsrecht der Zukunft werden?
Früher war Arbeit besonders an Präsenz, Stechuhr und feste Orte gebunden?
Oder ist Arbeit das, was Verantwortung übernimmt, Wertschöpfung erzeugt, Versorgung sichert, Innovation schafft und gesellschaftlichen Zusammenhalt ermöglicht und das sowohl im Betrieb, im Büro, mobil, digital als auch im Dienst am Menschen?
Leistung, Verlässlichkeit, Qualifikation, Einsatzbereitschaft und Verantwortung sind keine Auslaufmodelle. Das knüpft an die Tradition an. Das sind dauerhaft erforderliche Qualitäten. Ebenso gilt weiterhin, dass wirtschaftlicher Erfolg und sozialer Ausgleich zusammengehören. Aber ohne wirtschaftlichen Erfolg wird unser üppiger Sozialstaat nicht zu halten sein.
Und der Benchmark für Fortschritt und Wettbewerbsfähigkeit ist heute China! China scheint Deutschland in so vielen technischen Belangen weit voraus, dass wir im unmittelbaren Vergleich auf dem Stand eine „Entwicklungslandes“ angekommen zu sein scheinen. Dies wird in breiten Teilen der Bevölkerung gespürt und erzeugt ein großes Unbehagen.
Denn „das Volk“ will natürlich keine Veränderungen, die mit dem Verlust von eigenen sozialen Besitzständen einhergehen. Deswegen leitet auch die Politik keine entsprechenden Veränderungen ein. Dies entspricht der tradierten politischen Logik und ist auch nicht überraschend.
Trotz allem gilt aber, dass wir gravierende Veränderungen im Bereich „Arbeit“ dringend brauchen. Starre Regeln, übermäßige Bürokratie, langsame Verfahren und ein Denken in Strukturen vergangener Jahrzehnte bremsen Fortschritt. Auch im Arbeitsrecht. Und wir dürfen den Fortschritt im Bereich KI und Robotik nicht bremsen.
Wer Beschäftigung und gut bezahlte tarifliche Arbeitsplätze in Deutschland sichern will, muss Innovation ermöglichen und vielleicht auch die eine oder andere Gewohnheit über Bord werfen oder auch auf Rechte verzichten- seien sie noch so hart erkämpft worden.
Menschen brauchen gute Arbeit. Dazu gehören faire Bezahlung, Entwicklungsperspektiven, Gesundheitsschutz, Respekt, Sinn und ein Maß an Flexibilität, das zum Leben passt. Gute Arbeit entsteht dort, wo Leistung gesehen und Menschen ernst genommen werden.
Aber Arbeitgeber brauchen ebenso gute Bedingungen: planbare Politik, wettbewerbsfähige Energiepreise, qualifizierte Fachkräfte, moderne Infrastruktur, digitale Verwaltung und Vertrauen in unternehmerische Verantwortung. Und ohne Firmen die in Deutschland neue Standorte mit innovativen Zukunftstechnologien schaffen, wird es in Deutschland auch zu wenig „gute Arbeit“ geben.
Das nicht zuletzt vor dem Hintergrund nie gekannter Veränderungen von Tätigkeiten und Prozessen durch KI oder der Einführung humanoider Roboter. Hier können wir Tempo und transformatorische Wirkung kaum abschätzen. Allein die Fortschritte in China in diesen Bereichen sind rasant und werden in Deutschland nicht hinreichend wahrgenommen.
Der demografische Wandel verschärft den Fachkräftemangel. Globale Unsicherheiten erhöhen den Druck auf Lieferketten, Standorte und Investitionen. Gerade heute möchte ich daher dringend appellieren: Arbeit darf nicht im Gegeneinander gedacht werden. Erfolgreiche Unternehmen und gute Beschäftigung bedingen einander. Dies zeichnet unsere soziale Marktwirtschaft aus.
Der Tag der Arbeit ist vielleicht kein „Kampftag der Arbeiterbewegung“ im ursprünglichen Sinne mehr. Aber er bleibt ein wichtiger Tag, um über Arbeit nachzudenken und darüber, wie wir sie gemeinsam zukunftsfähig gestalten.
